38. Jahrgang / Vierzeiler 04/2018

"In da Stubn"

Der vierte und letzte (Winter-)Vierzeiler im Jahr 2018 ist soeben erschienen und beschäftigt sich mit dem Thema Stube. Alle Mitglieder bekommen diese Ausgabe inkl. unserem Jahresprogramm 2019 in den nächsten Tagen ins Haus geliefert. Alle unsere Kursangebote fürs nächste Jahr sind spät. in 14 Tagen auch unter der Rubrik Kurse/Seminare abrufbar.

Viel Freude beim Lesen des Vierzeilers und wir freuen uns auf Anmeldungen zu unseren Kursen!

Aus dem Inhalt






Mag. Christian Hartl, MA (Eisenerz): Die Stube – Behaglichkeit auf engem
                                                              Raum
MMag. Daniel Fuchsberger (Graz): Musizieren in der Stube 
Ernst Zwanzleitner (St. Gallen): Von der Bauernstube auf die Bühne – Ein
                                                       volksmusikalischer Erfahrungsbericht
Liedergeschichte: Die Stube – Wohlbehagen, Arbeit und Liebe
Aus den Regionen: Monika Primas zu Besuch bei Cilli Möstl, Weberin in 
                                  St. Radegund


Leitartikel | Christian Hartl



Die Stube – Behaglichkeit auf engem Raum
Wenn der Herbst langsam vom Winter abgelöst wird, wenn es still wird in der Natur, wenn nach und nach die Seen vom Eis bedeckt werden, wenn es in den Stuben nach Weihnachtsbäckerei riecht, wenn Kinder nicht mehr erwarten können, dem Adventskalender jeden Tag eine kleine Überraschung zu entnehmen und Menschen wieder näher zusammenrücken, gemeinsam basteln, Tee trinken, singen und musizieren, dann sind wir in der vermeintlich stillsten Zeit des Jahres angekommen – im Advent. Die meisten dieser vorweihnachtlichen Aktivitäten spielen sich seit jeher in den Räumlichkeiten mit dem höchsten Wohlfühlfaktor ab – und welcher Raum könnte sich dazu besser eignen als eine gemütliche, warme Stube.
Aber was ist eigentlich eine Stube und woher kommt die Bezeichnung?

Kurzgeschichte der Stube
Unter Stube versteht man verschiedenste Formen von warmen Wohnräumen. Die Heizbarkeit – beispielsweise durch einen Kachelofen, einen Hinterladerofen oder einen offenen Herd – ist Grundvoraussetzung und gleichzeitig gemeinsames Merkmal. Es handelt sich in der Regel um Räume, die fĂĽr Wohnzwecke gedacht sind und die Wärme gut halten können. Typisch ist daher eine eher geringe Raumgröße mit niedriger Holzdecke und Holzwänden. Erst relativ spät – am Ăśbergang zur Neuzeit in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts – kam es zu einer Vereinheitlichung durch die Entstehung der sogenannten „alpenländischen Stube“. Diese ist meistens in einer Ecke des Hauses positioniert, damit die Möglichkeit zur Ă–ffnung der – aus WärmegrĂĽnden kleinen – Fenster an zwei Seiten besteht. Ein weiteres typisches Kennzeichen alpenländischer Stuben ist die Positionierung von Tisch und Bänken in der Ecke bei den Fenstern – unter dem Herrgottswinkel, der oft mit Kreuz und Hinterglasbildern gestaltet ist und fĂĽr die Familien von groĂźer sozialer und religiöser Bedeutung war und ist. Im gegenĂĽberliegenden Eck befindet sich in der Regel der Ofen mit Ofenbank.  

In einem traditionellen Bauernhaus war die Stube der Mittelpunkt des Wohnhauses wo auch die gemeinsamen Mahlzeiten eingenommen wurden. Die Stube diente aber auch der Repräsentation: Hier wurden wertvolle BesitztĂĽmer und BĂĽcher zur Schau gestellt und auch Gäste und Besucher empfangen. Häuser von wohlhabenden Bauernfamilien waren manchmal sogar mit zwei Stuben ausgestattet – während die eine Stube im Alltag benutzt wurde, diente die andere, oft nicht beheizte, nur fĂĽr Familienfeste oder andere feierliche Anlässe. 

Herein in die gute Stube 
Wie bereits erwähnt, versteht man unter Stube im Allgemeinen einen wohnlichen, wärmenden Raum, der als Mittelpunkt häuslichen Lebens gilt und der im Sprachgebrauch oft als „gute Stube“ oder „Bauernstube“ bezeichnet wird. Stuben, an denen sich zunächst nur Adelige oder Angehörige des geistlichen Standes erfreuten, waren bereits um die erste Jahrtausendwende gebräuchlich und dienten vor allem zur Abfassung von Urkunden. Die bislang ältesten archäologischen Nachweise stammen aus dem 11. Jahrhundert vom Adelssitz Frohburg im Norden der Schweiz.  Ab dem 13. Jahrhundert scheint die Stube zu einer weit verbreiteten Einrichtung geworden zu sein, die auch in Bauern- und BĂĽrgerhäusern Einzug hielt. Die Menschen sehnten sich oft nach Idylle und schufen sich mit der Stube einen harmonischen RĂĽckzugsort. 

Musizieren in der Stube 
Die Erfindung der sogenannten Stubenmusik schreibt man dem Salzburger Musikanten Tobi Reiser zu, der im Jahr 1953 aus der Notwendigkeit eines Rundfunkauftrittes heraus eine musikalische Formation in der Besetzung Zither, chromatisches Hackbrett, Harfe, Gitarre und Kontrabass zusammenstellte. Diese Art der Volksmusik, die sich aufgrund des Klanges der verwendeten Instrumente von den lauteren Tanzmusikbestzungen unterschied, wurde von der Zuhörerschaft sehr gut angenommen, erwies sich in weiterer Folge als flexibel einsetzbar und hat bis heute in den verschiedensten Varianten ihre Nachfolger gefunden. Der Vollständigkeit halber muss allerdings erwähnt werden, dass der bayrische Volksmusikant, Volksliedsammler und -vermittler Wastl Fanderl bereits seit ca. 1930 mit seiner Stelzenberger Hausmusik in ähnlicher Weise musiziert hat. 

Neu an Reisers Saitenmusik war einerseits, dass das Hackbrett und die Gitarre auch die Melodieführung übernahmen – davor wurden nämlich beide Instrumente in der Volksmusik fast ausschließlich als Begleitinstrumente eingesetzt – und andererseits, dass die Volksmusik damit – auch aufgrund der hohen musikalischen Qualitäten der Musikanten – verstärkt auf die Bühne gebracht wurde. Damit entwickelte sich eine konzertante Aufführungspraxis. Heute werden in der sogenannten Stubenmusik auch Instrumente wie beispielsweise die Steirische Harmonika oder Geigen verwendet, die sich dann allerdings dem eher leisen, konzertanten Gesamtklang unterordnen. Diese Art des Musizierens lädt dazu ein – natürlich nicht nur im Advent – sich Zeit zu nehmen, zurückzulehnen und in aller Ruhe die wunderbaren Melodien und Weisen zu genießen.

Von der Bauernstube auf die BĂĽhne 
Ernst Zwanzleitner, Musikant, ORF-Moderator und Landwirt, gewährt uns in seinem Artikel Einblicke in die Entstehung der Zwanzleitner-Stubenmusi, berichtet einiges über die Rückkehr der Volksmusik in die Gaststuben und lässt uns seine Meinung über die Zukunft der Stubenmusik zuteilwerden. Musiker, Musikant und Mitarbeiter im Steirischen Volksliedwerk Daniel Fuchsberger informiert uns in seinem Artikel über die Geschichte und die Vielfältigkeit der Stubenmusik und darüber, dass sich auch Austropop-Urgesteine auf das Genre beziehen …

In diesem Sinne wĂĽnsche ich allen Mitgliedern des Steirischen Volksliedwerks sowie allen weiteren Leserinnen und Lesern, viele heimelige und besinnliche Adventsmomente in der Stube, ein frohes Weihnachtsfest und ein glĂĽckliches, erfolgreiches und vor allem gesundes Jahr 2019! 

Mag. Christian Hartl, MA
Geschäftsführer des Steirischen Volksliedwerks


Foto(c)Dorotheum Wien

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