Volksliedwerk App


41. Jahrgang - Vierzeiler 01/2021

Die Welt steht auf kann Fåll mehr lang …? 

Unser zweiter (Sommer-) Vierzeiler des Jahres 2021 ist soeben erschienen und widmet sich dem Themen Weltuntergang, Krisen, Weltverdruss und Utopien. 
Alle unsere Mitglieder bekommen den druckfrischen Vierzeiler Mitte Juni per Post ins Haus geliefert.
Viel Freude beim Lesen!


Termine Sänger-Musikantenstammtische
Eine Übersicht der Vierzeiler-Ausgaben finden Sie in unserem Online-Shop.
Den Vierzeiler regelmäßig über die Volksliedwerk-Mitgliedschaft beziehen. 
Im Vierzeiler Inserate schalten.

Foto(c)Martina Unterrainer

Aus dem Inhalt





Dr. Eva Maria Hois (Steirisches Volksliedwerk): 
Vom Singen von den letzten Dingen
Mag. Ulrike Schiesser (Psychologin & Psychotherapeutin): 
Flirting with Disaster
Dr. Birgit Johler (Volkskundemuseum Graz): 
Heimatproduktion und Trachtenbewegung in Zeiten der Krise
Ilja Trojanow (Autor): 
Selbstorganisiert ist der Mensch
Prof. Em. Dr. Thomas Macho (Internat. Forschungszentrum für Kulturwissenschaften): 
Wo sind die Utopien?

Lebensbild: Aniada a Noar 
ileb! Volksmusik: Der Murauer Musiker und Musiklehrer Peter Brunner 

Leitartikel | Christian Hartl





Da Teifl wollt gern Geign spieln,

doch brochn is sei Gleitsichtbrilln,
vaschwummen d’Notn vor die Äugerl:
„Drauf pfiffn – i spiel Teiflsgeigerl!“

DIE WELT GEHT UNTER! (Aber: Es geht bergauf!)
Seit ca. 15 Monaten sind wir im Steirischen Volksliedwerk durch die Corona-Pandemie in vielen Bereichen unserer Arbeit sehr eingeschränkt. Aber aufgrund positiver Entwicklungen in der Pandemiebekämpfung kann ich eine gute Nachricht überbringen: Es geht langsam wieder los! Unser Kursprogramm wurde, zwar unter einigen Auflagen, im Juni wieder gestartet und unser Projekt Musik beim Wirt soll im Sommer wieder Fahrt aufnehmen, damit wir hoffentlich im Herbst schon wieder halbwegs uneingeschränkt dem gemeinsamen Singen und Musizieren nachgehen können.

In der Zwischenzeit bedanke ich mich bei allen für die Geduld bzw. die Treue zum Steirischen Volksliedwerk und verkünde, ganz entgegen dem diesmaligen Vierzeiler-Motto: Es geht bergauf!

DAS ENDE NAHTE UND NAHT REGELMÄSSIG … 
Die Sorge, dass die Welt tatsächlich untergeht, beschäftigt die Menschheit schon sehr lange und viele – Theologen, Astronomen, Wahrsager etc. – fühlten sich sogar bemüßigt, genaue Vorhersagen über die Gründe und den Zeitpunkt des jeweiligen Weltunterganges zu treffen. Die teilweise sehr skurrilen Prophezeiungen begannen bereits in der Antike, um ca. 500 n.Chr., und finden auch heute noch kein Ende. Damit man sich ein bisschen besser darauf einstellen kann: Die nächsten Termine, an denen die Welt untergeht, sind das Jahr 2060 – Sir Isaac Newton kam durch die Auswertung von Bibelversen auf dieses Datum – und 2076. 

DER VOLKSMUSIKALISCHE WELTUNTERGANG … 
… steht gottseidank nicht vor der Tür. Auffallend ist aber, dass sich die Inhalte des Volksliedes nur vereinzelt mit dem Ende der Welt beschäftigen. In anderen Musikgenres, aber auch im Filmgeschäft sieht der Sachverhalt ganz anders aus, da gibt es unzählige Produktionen, die den Weltuntergang thematisieren. Man denke an die großen Blockbuster wie beispielsweise The Day After Tomorrow (2004), Independence Day (1997), Geostorm (2017) oder den durchaus skurrilen Streifen Mars Attacks aus dem Jahre 1996, um nur einige zu nennen. Ein lustiges Detail aus dem letztgenannten Film: Dort gibt es nur eine Waffe, die die Aliens besiegen kann – einen Jodler, und zwar einen tödlichen, der die Gehirne der Aliens zum Platzen bringt. Aber keine Sorge, solche Jodler sind in unseren Breiten eher nicht zu finden! 
Jetzt aber zurück zum Weltuntergang im Volkslied. Dazu ist mir das Couplet „Der Weltuntergang“ von Carl Lorens (1851–1909) eingefallen, das mein Großvater gerne gesungen hat. Der Text, bzw. auch ob das Lied im 2/4- oder 3/4-Takt gesungen wird, ist in den verschiedenen Regionen unterschiedlich. Die Strophen, die ich zumindest kenne, sind lustig und scherzhafter Natur. Das passt gut, denn der Weltuntergang an sich ist ja schon ernst genug – eine kleine Kostprobe:
„A Schneider bei der Årbeit so sitzt, beim Einfadeln er a so schwitzt,
er fiedelt und fadelt ums Loch umadum, dås wird mit der Zeit seiner Åltn zu dumm. 
Sie sågt mei lieba Valentin, jetzt bist denn du no nit boid drin. 
II: Und wånn dir der Fådn dann goa neamma steht, is besser wann die Wöt untergeht :II“

WELTUNTERGANG, KRISEN, WELTVERDRUSS UND UTOPIEN
Eine tiefergehende Auseinandersetzung mit Weltuntergang und Weltverdruss im Volkslied können Sie im ersten Hauptartikel unserer wissenschaftlichen Mitarbeiterin Eva Maria Hois nachlesen. Die menschliche Faszination am Weltuntergang steht anschließend im Mittelpunkt des Beitrags der Wiener Psychologin Ulrike Schiesser. Der ebenfalls in Wien lebende Autor Ilja Trojanow setzt sich in seinem Text mit der Frage nach der Solidarität in Krisenzeiten auseinander und plädiert für Selbstorganisation. Der Frage, wie Volkskultur in den Krisenzeiten der 1930er-Jahre verwendet und gebraucht wurde, geht die Kuratorin des Grazer Volkskundemuseums Birgit Johler anhand der Geschichte ihrer Institution nach. Abschließend zeigt uns der Wiener Professor Thomas Macho auf, dass die Zukunft nicht zwangsläufig schlecht sein muss und dass positive Utopien wichtig sind. Und mit diesem positiven Punkt schließen wir und wünschen Ihnen allen einen wunderschönen Sommer.
Mag. Christian Hartl, MA
Geschäftsführer des Steirischen Volksliedwerks

Gibt es Themen, über die Sie gerne im Vierzeiler lesen würden?




Liebe Vierzeiler-Leserinnen und -Leser! 

Um den Vierzeiler so interessant und lesenswert wie möglich zu gestalten, möchten wir Sie dazu aufrufen, uns Ihre Meinung über den Vierzeiler mitzuteilen: Welche Rubriken und Themen interessieren Sie besonders? Gibt es Themen, über die Sie gerne im Vierzeiler lesen würden? 

Bitte senden Sie uns Ihre Anregungen per E-Mail, Fax oder Post: 
E: vierzeiler@steirisches-volksliedwerk.at 
F: +43 (0)316 908635 55 

Steirisches Volksliedwerk 
Sporgasse 23/III 
8010 Graz

Z’sammenstimmen
Z’sammenreden
 
Impressum | AGB | Steirisches Volksliedwerk
Sporgasse 23/III, 8010 Graz, T +43-316-908635